Fast einen Monat ist mein letzter Beitrag schon wieder her und es kommt mir vor, wie eine kleine Ewigkeit. Gerade jetzt wünsche ich mir, meine Gedanken „einfach so“ lesbar machen zu können, ohne, dass aus den Gedanken Buchstaben, aus den Buchstaben Worte und aus den Worten ein sinnvoller Text geformt werden müsste. Worte fühlen sich komisch an. Leer irgendwie, egal, wie ich sie zusammensetze. Sie schmecken komisch, sind schwer wie blei und – leer und irgendwie geht es mir ähnlich. Ich fühle mich bleischwer und gleichzeitig leer und übervoll. Übervoll von eindrücken und Worten anderer, die sich im laufe der Stunden, Tage und Wochen angesammelt haben und die immernoch darauf warten, ihren platz zu bekommen, an dem sie bleiben können und an dem ich sie mir anschauen und anhören kann, wenn genügend kraft vorhanden ist. Übervoll auch von dem, was in den letzten Tagen und Wochen passiert ist. Es geht und ging viel um „körperliche“ Gesundheit und das ist alles andere als einfach auszuhalten. Zum einen, weil alles körperliche immer ein kleines bisschen an den diversen Triggern entlangschrammt und es nur eine Frage der Zeit ist, bis irgendwo irgendwas aus irgend einer Schublade hervorspringt und mich in die Vergangenheit werfen will und zum anderen, weil es mir das Thema Körper gerade „aufdrängt“ und ich eigentlich ganz andere Feuer zu löschen hätte. Aber okay, ich glaube daran, dass es schon irgendwie „richtig“ ist, dass das Thema jetzt so im Vordergrund steht.
Gleichzeitig fühle ich mich leer. Nein, nicht leer im sinne von „ohne gefühl“, sondern leer, was kraftreserven angeht. Leer im Sinne von: „es ist nichts mehr da“ bis hin zu „es fühlt sich an, als wäre von mir nichts mehr übrig/alles aufgebraucht.“ Dieses Gefühl begleitet mich und jetzt nicht mehr nur dann, wenn ich abends schlafengehe. Ich stehe damit auf und zusammen mit der schwere, die eine Depression so mit sich bringt, wird das ein ekelhaft zähklebriger Kaugummibrei, aus dem ich mich erst einmal herausziehen muss. Ich merke, dass die einsamkeit von Tag zu Tag stärker wird und der Graben zwischen mir und der Welt etwas breiter.
…und gleichzeitig läuft für die außenwelt alles gut. Ich funktioniere, schaffe meine Termine und mache Fortschritte (die ich teilweise sogar selbst sehen und ein bisschen darauf stolz sein kann) Ich habe mit dem Krafttraining angefangen, zu dem ich zweimal die Woche hingehe, gehe zur Physio, nehme die anstehenden Arzttermine war, bin immernoch beim Bogenschießen dabei, schaffe den Haushalt und verbringe Zeit mit menschen, die mir wichtig sind. Ich höre immer wieder Sätze wie: „bei dir klappt ja alles so gut“ und ich denke nur: ja, auch. das ist die eine Seite und diese Seite hat sehr viel positives. mich weiter bringendes. Und trotzdem gibt es auch die andere Seite, die auch da ist und ich merke, wie sehr beides auseinanderrutscht. Deutlich ist auch, dass das auf dauer nicht wirklich gut gehen kann.

Erschlagen

Eigentlich sagt die Überschrift alles aus. Mehr braucht es nicht.
Erschlagen von den Nebenwirkungen der Medis, die teilweise recht heftig sind.
Erschlagen von dem, was alles ansteht, gemacht und organisiert und unter einen Hut gebracht werden muss.
Erschlagen von dem Gefühl, dass es für so vieles keinen raum gibt.
Erschlagen von viel zu viel zu viel.

Gestern

Der tag gestern war – voll und viel und mir schwirrt der Kopf.
als erstes hatte ich Training und bereits auf der Fahrt entschied ich, dass meine „erklärungen“, was diverse Einschränkungen betrifft, auf die nächste Stunde verschoben wird. zum einen hatte ich das Gefühl, nicht gut „bei Wort“ zu sein und zum anderen war völlig klar, dass der Arzttermin im Vordergrund steht und ich alles an Energie dort „reinstecken“ musste und wollte.
Die Stunde war dann – bescheiden. Wenn ich mich am ende so fühle, wie das 14 jährige Mädchen, dass mal wieder die Schulsportstunde „verhauen“ hat und am liebsten nur noch heulen möchte, dann läuft etwas falsch – sehr, sehr falsch. Und wenn ich ernsthaft darüber nachdenke etwas hinzuschmeißen, was mir spaß macht, weil „ich es eh nicht kann, ein vollversager bin und sowieso nur allen mit meiner unfähigkeit auf die nerven gehe“, dann hänge ich nicht nur in altem fest, sondern bin vorher auch noch mehr als nur kräftig über meine Grenzen gelatscht. (da kam ich dann heute nacht irgendwann mal drauf) Nein, ich werde gar nichts hinschmeißen – ich muss es nur für mich anders gestalten. Was gestern auch sehr deutlich wurde: der Trainer und ich sprechen völlig unterschiedliche Sprachen. Es scheiterte schon daran, ihm mein nicht-verstehen begreiflich zu machen und das lag, denke ich, nur teilweise daran, dass ich um jedes Wort kämpfen musste.
Nach der Stunde war ich völlig frustriert, kämpfte mit den Tränen und wusste Phasenweise nicht mehr, in welcher zeit ich eigentlich „feststecke.“
Ich hab mich dann irgendwie „eingesammelt“ und bin zum Termin, der eher unglücklich startete, weil ich meinen Personalausweis nicht dabei hatte und die Frau, von der Anmeldung meinte, es könne ja jeder kommen und sagen, er wäre ich. Klar hatte sie recht aber, wenn eh schon alles zuviel ist und jeder Trigger nur noch „durchgeht“, weil keine Stabilität mehr da ist, dann sind solche Aussagen – ungünstig. zum Glück war der Lieblingsjuri dabei und konnte das regeln – irgendwann ist mir dann eingefallen, dass die Ausweise im auto gelegen hätten…nunja.
Lange warten musste ich nicht und ich kann nur sagen, dieser Arzt war ein wirklicher „glücksgriff.“ Von Anfang an war es ein Gespräch auf augenhöhe, er war sehr einfühlsam, ganz besonders, als es um Themen der Vergangenheit ging, er hat mich erzählen lassen und fragen gestellt, wenn ich nicht mehr weiter kam oder etwas unklar blieb und ich hatte zu keiner zeit das Gefühl, er würde mir nicht glauben. Er hat meine Schmerzen ernstgenommen und auch das, was mir früher passiert ist. Seine Fragen waren immer sehr eindeutig gestellt – kein: was meint er jetzt/könnte das bedeuten? Ich hatte nicht das Gefühl, dass er mich oder etwas von dem, was ich sage, abwertet und, was ich sehr angenehm empfunden habe, war sein Humor. Ja – wir haben gelacht zwischendurch und das war gut bei diesen schwierigen themen.
für die Migräne habe ich jetzt zwei Medikamente – eines für die akuten Anfälle und das zweite soll Anfällen vorbeugen.
Was die Schmerzen angeht gibt es nun auch eine Diagnose und die hat mich erstmal umgehauen. Klar, es gab den ein oder anderen Verdacht…aber wenn „das kind einen namen“ hat, dann ist das noch einmal etwas ganz anderes. Auch dafür bekam ich ein Medikament und einige Überweisungen.
Der Arzt hat mir dann noch die Nummer von einem Psychotherapeuten gegeben und dort werde ich auch anrufen. (hatte den nicht auf meiner liste)
Der Termin ist sehr gut gelaufen und trotzdem war ich hinterher einfach platt.
Die Nacht heute war sehr unruhig – das ganze muss jetzt erstmal sacken.
Ich fühle mich immernoch ziemlich erschlagen und überfordert – da ist einfach viel zu sortieren und für mich innerlich klarzukriegen.
Demnächst steht einiges an und in den kommenden Tagen muss ich mich um Termine, Physiotherapie und einigen anderen Kram kümmern aber nicht heute. Für heute ist nur Ruhe geplant – ruhe und eben sortieren.

Heute nacht stand ich lange auf dem Balkon und habe den Grillen zugehört. Seit einigen Tagen zirpen sie wieder vor meinen Fenstern – genau wie in den letzten Jahren hier. Erst kommen die nachtigallen, dann die Grillen und mittendrin die Eulen. Und irgendwie empfinde ich das als sehr beruhigend.
Nachher fahre ich zum Training und anschließend, mit ein bisschen pause zum Schmerzzentrum. Beides liegt ziemlich nah beieinander, deshalb habe ich die termine auch nacheinander gelegt. Von mir zu hause beträgt die Fahrzeit knapp eine Stunde. Ob die Idee jetzt allerdings wirklich gut war wird sich zeigen.
Ich überlege seit einer Weile, ob ich meinem Trainer etwas über die trauma bedingten Einschränkungen erzähle. Nicht viel – nur so viel, damit er versteht, falls er verstehen kann. Nur so viel, um es für mich ein kleines bisschen aushaltbarer zu machen, wenn nicht genau das Gegenteil passiert. Ich weiß es nicht.

Irgendwie

Und irgendwie ging auch dieser Tag vorbei. irgendwie habe ich die Minuten überstanden, die sich wie kleine Ewigkeiten anfühlten. Irgendwie habe ich geatmet, gemacht, geredet. Irgendwie bin ich gelaufen und irgendwie habe ich gefühlt. Angst und Überforderung, vor allem Angst. Sehr viel Angst. Angst, die ganz konkrete Gründe hat und Angst, die aus alten gefühlen, erinnerungen und erlebnissen entsteht. Angst, die meine ist und angst der anderen. Sie fühlt sich anders an, diese angst, die nicht meine ist.
Und ich habe mich erinnert. Viel zu viel erinnert. Und ich wurde ausgelacht, weil ich wirklich dachte, es wäre genug. Weil ich dachte, ich würde das meiste wissen.
Jetzt bin ich einfach nur noch müde und möchte schlafen. Schlafen ohne Träume. Schlafen, um ein bisschen wieder zusammen zu setzen, was heute auseinander fiel.

Einatmen, ausatmen

Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Immer wieder und wieder. Jetzt. Nur das. Für mehr ist kein Platz. keine Kraft. Für mehr bin ich zu voll. Oder auch zu leer. In der falschen Zeit. Die falsche person. Oder vielleicht sogar beides.
Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen. Immer wieder und wieder. Egal wer, egal in welcher zeit. Für den moment muss es reichen.

Schwierige abende und nächte

Gestern abend und nacht wurde es dann, wie so oft, sehr schwierig. Ich wurde unruhiger, die ängste vor dem arzttermin am montag wurden deutlich stärker und, was tagsüber noch mit ablenken irgendwie ging, klappte nachts gar nicht mehr. Die folge waren panikattacken, Flashbacks und sehr schnell ein Gefühl der überforderung.
Arzttermine sind schwierig – das sind sie für mich immer – weil es zu viele schlechte erfahrungen gibt und zu viel altes, was jedes mal aufs neue ausgelöst wird. Zu viele ängste…so wie jetzt bei dem termin am montag auch.
Dazu kamen die Erinnerungen, die durch die Trainingsstunde am Montag ausgelöst wurden – ungünstigerweise ist das auch ein Themenbereich, bei dem wegpacken sehr schwer ist und der einen ziemmlich blöden „rattenschwanz“ nach sich zieht.
Ich hatte kurz überlegt, jemanden anzurufen, aushaltbar wäre das gestern gewesen aber, so, wie es mir ging, wollte ich mich auch nicht „zumuten“ und selbst, wenn ich es versucht hätte, wäre es nur ins „funktionieren nach Außen“ gerutscht und das wäre alles andere als hilfreich in diesem moment gewesen.
Die Nacht ging irgendwann auch vorbei und jetzt bin ich – platt und ich merke, dass nicht viel nötig ist, um das gefühl der überforderung auszulösen.

gemischtes

Der Termin bei meiner Ärztin am dienstag lief gut – alle blutwerte sind okay und auch sonst ist alles in ordnung.
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Eigentlich hatte ich mich ja entschieden, welchen Arztbrief ich mitnehmen möchte, habe aber deutlich gemerkt, dass irgend etwas nicht passt. Nicht wegen Fehlern oder wegen dem, was mit der ärztin war – es ging um die Details meiner Geschichte, die dort zu lesen sind. Dieser Arzt, zu dem ich am montag gehe, ist mir völlig fremd und, ganz ehrlich, ich möchte (noch) nicht gleich so viel persönliches über mich preisgeben. Zuerst dachte ich, ich könne über dieses schlechte gefühl einfach hinweggehen und ja, vielleicht kann ich das auch aber ich möchte es nicht mehr. Das ist meine Geschichte, aus der dort ein teil steht und ich möchte selbst und frei entscheiden, wie viel ich wann und wem erzähle oder auch nicht. Das ist mein erleben, das in diesem Brief bewertet und beurteilt wird, es sind meine aussagen, die interpretiert wurden. Es ist ein teil meines lebens und über den möchte ich selbst bestimmen können.
Ich habe meine ärztin deshalb gebeten, mir nur etwas aus ihrem computer auszudrucken, aus dem die wichtigsten diagnosen hervorgehen und, das hat sie auch gemacht.
Ich habe immernoch schreckliche angst vor dem termin aber wenigstens diese schwierigkeit ist.
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Nachdem die letzte Trainingsstunde aus verschiedenen Gründen ziemlich in die Hose ging, hat mir der Lieblingsjuri angeboten, mit mir die Haltungen zu üben. Mir war das wichtig, weil ich sonst in die nächste Stunde völlig blockiert reingegangen wäre und das wollte ich nicht. also kam er vorbei, schaute sich an, was ich machte, verbesserte mich…und erlebte das, wogegen dieser körper und ich gerade ziemlich ankämpfen. Die bewegungen fühlen sich nicht nur ungewohnt und nach muss-ich-üben an, sondern nach völlig-falsch-für-diesen-körper. Teilweise stieß ich gegen sperren, an denen ich nicht vorbeikam – bestimmte drehungen waren einfach nicht drin. Ich habe den ablauf der einzelnen schritte selbst im kopf nicht verstanden. Dann kam ich auf die idee, das ganze einfach umzudrehen. die rechte hand hält den bogen und die andere zieht dann die Sehne. Wir haben ja jetzt noch keinen bogen zum üben, ist also alles nur theorie. Was mir aber sofort aufgefallen ist: die abläufe waren im kopf völlig klar, ich wusste, wie ich welchen Arm bewegen muss und warum und ich konnte die bewegungen auch ausführen, fast schon von selbst. Am wochenende wird natürlich weiter geübt und verbessert – es gibt noch genug zu lernen aber jetzt habe ich nicht mehr ständig das gefühl, gegen mich angehen zu müssen. Und ich bin doch sehr gespannt, wie sich das am montag auswirkt. ich hoffe, es wird deutlich weniger verkrampft als in der letzten stunde, denn schließlich geht es doch um spaß haben, etwas neues auszuprobieren, lernen und natürlich auch darum, mit dem ein oder anderen erfolgserlebniss nach hause zu gehen.
Für mich wird das nochmal eine große überwindung vor unseren trainer zu sagen, dass ich es jetzt genau andersherum machen werde aber okay,das schaffe ich dann auch noch. auf jeden fall bin ich froh, dass wir das herausgefunden haben – so ist es deutlich leichter und – nicht nur leichter – an manchen stellen eben überhaupt erst machbar für mich.
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Heute habe ich die restlichen geburtstagsgeschenke eingekauft und ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich gefunden habe.
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morgen steht wohnungsputz an denn alles von dem, was ich schaffen wollte, habe ich nicht geschafft und das mache ich dann morgen. mir ist das auch ganz recht so,alles, was vor dem termin beim arzt ablenkt ist schonmal gut zur zeit. denn am montag ist erst das training und dann der termin beim arzt. viel pause wird es dazwischen nicht geben – mal sehen, wie wir das machen aber irgendwas lässt sich schon finden.
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Zur zeit genieße ich jede stunden, die ich auf meinem balkon verbringen kann doppelt so gern und erlebe die natur viel intensiver. ja, mir hat das sehr gefehlt aber wenn alles irgendwo unter einem grauen berg verschüttet liegt….
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Für heute war es das dann für mich – ich gehe sehr früh schlafen.

wmdedgt 07/17

Es ist wieder Zeit für
Wmdedgt
und wieder einmal frage ich mich, wo der letzte Monat hin ist.
01.10 uhr: Ein langer, sehr anstrengender aber auch schöner Tag geht langsam zu ende und ich falle völlig platt ins Bett.
07.30 uhr: Ich liege seit einer gefühlten Ewigkeit wach und versuche irgendwie, den letzten Traum einzusortieren aber er lässt sich nicht greifen. Himmel, war der wirr.
08.15 Uhr: Ich bin aufgestanden, war im Bad und habe angefangen das Frühstück vorzubereiten. Heute wird ein sehr, sehr ruhiger tag.
10.00 Uhr: Ich habe gefrühstückt, die spülmaschine eingeräumt und mir noch einen zweiten Kaffee gekocht. Ich habe beschlossen, dass es heute ein Wohnungs-wusel-tag wird – es ist einiges liegen geblieben.
13.00 Uhr: Eigentlich wollte ich nur mal kurz…nur mal schnell…nunja, ihr kennt das.
Die letzten Stunden habe ich Computerzeugs erledigt, überweisungen gemacht, eine bestellung aufgegeben und ein Geburtstagsgeschenk gesucht. Leider scheint es nicht zu geben, was ich gern hätte, also doch etwas anderes aber eine idee hab ich schon (genauer kann ich leider nicht werden, das bald-geburtstagskind liest mit *schmunzel* ) Nebenbei hab ich noch mit S. telefoniert, die mir für den kommenden Samstag abgesagt hat. mal sehen, ob ich mit dem Lieblingsjuri zu einer Bogensportveranstaltung fahre oder nicht – zeit hätten wir ja jetzt.
16.00 Uhr: Ich habe endlich mit dem Wohnungskram angefangen und die Küche und das Schlafzimmer aufgeräumt. Anschließend schrieb ich meinen
Beitrag
darüber, wie sich das Thema Essstörung für mich entwickelt hat. Es ist gut zu sehen, dass es Veränderungen gibt.
17.40 Uhr: Ich war auf dem Crosstrainer, habe lange geduscht und anschließend noch eine weile auf dem Balkon in der Sonne gesessen.

21.20 Uhr: ich habe weiter aufgeräumt, mit dem Lieblingsjuri telefoniert, abendbrot gegessen und den ruhigen Tag genossen. Ich merke, dass ich langsam etwas zur Ruhe komme. Heute geht es früh ins bett und ich hoffe auf etwas mehr schlaf.

Vor drei Jahren

Diesen Beitrag
schrieb ich im letzten Jahr und ich merke, dass sich einiges getan hat.
Meine Gedanken drehen sich kaum noch um die Themen essen, nicht-essen, kalorien zählen oder abnehmen und wenn, dann in den meisten Fällen nur im positiven Sinne. Ich koche und backe noch lieber als früher, kann essen (fast) immer genießen und habe nur noch sehr selten ein schlechtes gewissen, wenn ich „gesündigt“ habe – und eigentlich gibt es kein „sündigen“ beim essen mehr. Ich habe spaß an gesunder ernährung und fühle mich wohl damit. trotzdem gönne ich mir auch ab und zu mal leckeren „schweinkram“ *schmunzel*
Es gibt immernoch Phasen, in denen ich Essanfälle habe und manchmal möchte ich dann alles hinwerfen, weil die alten Muster immernoch sehr tief „verankert“ sind und es sich immernoch „sicher“ anfühlt, ihnen nachzugeben. Ich schaffe es aber jedes mal, mich aus dem „fresskreislauf“ herauszuziehen, ohne, dann ins erbrechen oder hungern zurückzufallen. Auch habe ich gelernt, mich für die Essanfälle nicht mehr abzuwerten und nieder zu machen – es will immernoch „anspringen“, weil auch das ein altbekannter Automatismus ist aber auch den kann ich nach einer weile stoppen.
Meine Körperwahrnehmung hat sich deutlich verbessert – ich fühle mich jetzt nicht mehr dreifach so dick, als ich es wirklich bin. Trotzdem ist mein Gefühl noch nicht ganz mit meiner Gewichtsabnahme mitgekommen – ich habe oft immernoch die gleichen Gefühle wie an dem Tag, als meine Gewichtsabnahme begann. Ich weiß, dass sich mein körper verändert hat aber ich fühle das noch nicht. Ich denke aber, dass das noch kommen wird. Jetzt ist es wirklich ein noch-nicht-auf-den-neuen-körper-eingestellt und kein essstörungs bedingtes Wahrnehmungsproblem. Die Sicht auf meinen körper, zumindest was das Gewicht und die Figur angeht ist positiver geworden, als sie es früher war.
Ich arbeite immernoch daran, in bestimmten Situationen nicht gleich zum essen zu greifen und meine Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle anders zu erfüllen/auszudrücken/zu bearbeiten. Oft denke ich nicht einmal mehr darüber nach – ich komme nicht mehr auf essen als ersten ausweg – oft ist das übermäßige Essen überhaupt keine Option mehr. Nur in sehr extremen Phasen ist es noch so aber auch daran arbeite ich.
Ich vermisse es nicht mehr zu hungern und habe auch nicht mehr das Gefühl, dass ich nur durch das nicht-essen Kontrolle über mich und meinen Körper habe. Nahrungsaufnahme bedeutet nicht gleich Kontrollverlust beim essen und schon gar nicht Kontrollverlust in meinem Leben. Ich habe nicht mehr das Gefühl, mich ins Untergewicht hungern zu müssen um mich wohlzufühlen – ich möchte einen gesunden Körper im Normalgewicht und ich habe, nicht nur im kopf, begriffen, dass nicht die Zahl auf der Waage mein Wohlbefinden bestimmt.
Ich habe gelernt, dass ich esse, wenn ich hunger habe und aufhöre, wenn ich satt bin. Anfangs habe ich dreimal am Tag gegessen, um wieder eine regelmäßigkeit in den Ablauf zu bekommen, jetzt esse ich, wenn mein Körper hunger signalisiert. Manchmal ist das dreimal am Tag, manchmal öfter – je nach dem. Ich höre auf, wenn ich satt bin und kann auch mal etwas übrig lassen.
Was ich immernoch nicht kann ist portionen einschätzen. Wenn ich rohe Nudeln vor mir habe, dann weiß ich nicht, ob das nun eine Portion ist oder nicht und, da ich ungern zu viel koche, wiege ich ab. Ich habe eine menge, die ich für mich koche und meistens komme ich mit diesen portionen gut hin und falls nicht, dann gibt es eben auch mal einen nachtisch. Das abwiegen hilft mir, nicht ständig zuviel oder zu wenig zu kochen und damit kann ich auch gut leben.
Schwierig ist Essen hauptsächlich dann, wenn ich entweder depressiv bin oder aus anderen Gründen die Kraft fehlt. Dann fallen Mahlzeiten aus oder werden sehr ungesund aber das sorgt nicht mehr dafür, dass ich in altes Verhalten abrutsche und ich werte mich auch nicht mehr ab oder bestrafe mich dafür. manchmal reicht einfach die Energie nicht und manchmal ist für-mich-sorgen eine unüberwindbare Hürde. Daran arbeite ich und, wenn es mal nicht klappt, dann versuche ich das anzunehmen.
Ich bin auf einem guten Weg, der noch lange nicht beendet ist und ich merke, dass ich immer noch aufpassen muss, nicht wieder in die Sucht abzurutschen. Nicht mehr so sehr wie früher aber aufpassen muss ich.

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